... und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.
Das hat Leo gesagt.
Es ist so viel passiert, dass ich erstmal meine Gedanken ordnen musste, bevor ich euch alle darüber informieren kann.
Ich habe ja schon erwähnt, dass Madame Olympia dieses Mäuschen Joanna zu uns gebracht hat. Ich gebe zu, ich war nicht unbedingt begeistert davon. Vertico und ich haben deshalb ja auch versucht, sie aus dem Boîte de Nuit zu treiben, aber Lea musste natürlich wie immer die heile Welt aufrecht erhalten.
Aber selbst Madame Olympia wurde das alles langsam zu bunt und deshalb verriet sie uns den Grund für Joannas Anstellung: Sie selbst, unsere langjährige Chefin und gewissermaßen Ersatzmutter, hatte beschlossen, dass es Zeit für sie sei, die Traumfabrik zu verlassen.
Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass das eine ziemliche Überraschung für uns alle war, und auch traurig. Doch andererseits --- das Leben musste ja weiter gehen! Ich meine, stellt es euch doch nur vor: Boîte de Nuit - geführt von Mademoiselle Bella! So dachte ich zu dem Zeitpunkt.
Leo war da allerdings anderer Ansicht. Manchmal kann er echt nerven. Ich gebe zu, ich war ziemlich sauer, dass er mich nicht in meinem Vorhaben, Madame Olympias Nachfolge anzutreten, unterstützen wollte, weshalb ich ihn dazu brachte, einen gefährlichen Traum zu erfüllen. Oder... tat ich das? Nein, er wollte ihn ja nicht erfüllen. Es ist merkwürdig; es scheint mir fast, als würde ein Teil der Nacht fehlen, als wäre irgendwas geschehen und doch nicht......
Jedenfalls sollte Madame Olympias Ankündigung nicht die letzte Überraschung bleiben.
Denn auch sie hatte einen Traum. Den Traum von Unsterblichkeit.
Aber der ging nicht gut.
Madame Olympia hat - das - Boîte de Nuit verlassen. Das hat Leo gesagt.
Wir können sie jederzeit wiedersehen, in unseren Träumen. Auch das hat Leo gesagt.
Ich hoffe, er hat Recht.
Ich frage mich, wie sich jetzt alles verändern wird - ohne Madame Olympia, und mit Leo als Chef.
Es ist merkwürdig, wenn einer deiner, naja, "Freunde" plötzlich das Sagen hat und dein Boss ist.
Ich freue mich schon für ihn; ich glaube nicht, dass ich die ganze Arbeit unbedingt übernehmen wollte. Und ich respektiere ihn, natürlich. Aber -- es wird nie mehr so sein wie bei Madame Olympia.
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